Der beste Ausbildungsweg zur Matura und darüber hinaus

Welche Schule sollte man nach der Unterstufe wählen?

In Österreich hat ein junger Mensch, – und auch ein erwachsener Mensch, wirklich viele Möglichkeiten zur Ausbildung. Es werden laufend mehr. Nach der Unterstufe muss man sich entscheiden – weiter im Gymnasium, eine berufsbildende mittlere oder höhere Schule, eine Lehre?

Es ist schwer, sich mit 14 zu entscheiden

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich versucht habe, im zarten Alter von 14 Jahren eine Entscheidung zu treffen, die theoretisch mein ganzes Leben bestimmen sollte. Ich war verzweifelt und wusste nicht, was ich tun sollte. Tatsächlich war es mir noch nie schlechter gegangen. Ich hatte keine Ahnung, wofür ich mich entscheiden sollte. Es gab einige Dinge, die mich zwar grundsätzlich interessiert hätten, aber bei keinem davon war ich mir sicher, dass es „das Ding“ ist, was ich für den Rest meines Lebens tun soll.

Meine Eltern hätten mich in jedem Weg unterstützt, haben mir aber keine Vorschreibungen gemacht. Ich hatte also die freie Auswahl aus allen mir bekannten Möglichkeiten.

Ich werde vielleicht mal einen eigenen, ausgiebigeren Artikel darüber schreiben, wofür ich mich entschieden habe und warum, weil mir jetzt auffällt, dass dies vielleicht sowohl für Leute, die in einer ähnlichen Situation sind, als auch für Eltern, die ihre Kinder unterstützen wollen, interessant sein könnte.

Kann es einen optimalen Ausbildungsweg geben?

Aber im Moment möchte ich darlegen, was meiner Meinung nach heute die beste Ausbildungsroute ist, die man in Österreich machen kann und warum. Natürlich gibt es nicht „den besten Ausbildungsweg“, der wirklich für jeden einzelnen Menschen der beste ist, aber ich habe lange verglichen und aufgrund meiner Informationen und auch der Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen (wenn man 12-18 jährigen Nachhilfe gibt, ist die Berufswahl bzw. Ausbildungswahl immer wieder ein Thema) tatsächlich etwas gefunden, von dem ich denke, dass es für die Mehrzahl der Leute die beste Route sein könnte.

Matura und dann Studieren

Sehen wir uns einmal an, was für viele Leute der gewählt Ausbildungsweg ist (und es werden mehr und mehr, die diesen Weg gehen). Sie machen die Matura am Gymnasium. Dies hat zum einen den Vorteil, dass man sich mit 14/15 nicht für seinen weiteren Lebensweg entscheiden muss. Und sind wir ehrlich, es ist für viele Leute schwer, zu diesem Zeitpunkt solch eine Entscheidung zu treffen.

Dann haben sie die Matura und fangen an zu studieren. Das Kriterium für die Studienwahl? Oft nur ein vages Interesse, oder ein Studium, das einem leicht erscheint. OK, dann wird der Bachelor gemacht und sehr oft der Master gleich anschließend, weil man mit dem Bachelor alleine ja nicht all zu viel anfangen kann. Dann ist man zwischen 23 und 25 Jahren alt und hat unter Umständen, außer vielleicht ein paar Studentenjobs, noch nie gearbeitet.

Was, wenn man nach dem Studium entdeckt, das man den Beruf nicht mag?

Jetzt fängt die Suche nach einer Stelle an und mit etwas Glück arbeitet man dann bald zum ersten Mal in dem gewählten Beruf. Wenn alles gut geht, gefällt einem dieser. Es passiert aber auch, dass dann festgestellt wird, dass der Beruf nicht das ist, was man sich vorgestellt hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass es sehr schwer ist, einen geeigneten Job zu finden (auch wenn die Akademiker-Arbeitslosenrate geringer ist als der Durchschnitt). Und dann? Mit 25 noch einmal von vorne anfangen? Und wie? Noch einmal 5 Jahre studieren, und hoffen, dass die Entscheidung dann besser ist?

Nein, wenn man soweit gekommen ist, dann fängt man meistens nicht noch einmal von vorne an. Irgendwann muss ja auch das normale Leben beginnen. Also entweder in einem Beruf arbeiten, für den man sich nicht wirklich interessiert oder in einem anderen, den man nicht studiert hat (für den man das Studium dann aber auch nicht zwingend gebraucht hätte).

Dies gilt natürlich nicht für diejenigen glücklichen Leute, die genau wissen, was sie wollen und wo sich herausstellt, dass dies auch gestimmt hat. Ich kenne Leute, die schon als Kind wussten, dass sie Chirurg, Anwalt, etc. werden wollten und das dann auch getan haben. Gratulation!

Kann Lehre mit Matura eine Alternative sein?

Was ist aber eine Alternative, wenn man nicht 100% sicher ist, dass man ein bestimmtes Studium und den dazu gehörenden Beruf verfolgen möchte?

Nach der 8. Ausbildungsstufe eine Lehre zu machen, die Lehre mit Matura machen und dann zu studieren, wenn gewünscht. Wenn ein Kind aus dem Gymnasium kommt oder gute Noten in der Hauptschule hat, dann wird es kein Problem haben, eine gute Lehrstelle zu finden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, neben den klassischen Lehrberufen auch sehr viele neue, – und es werden laufend mehr. Es gibt jetzt auch Eventmanagement, Programmieren,  Fitnessbetreung, Maskenbildner/-in und Online-Marketing als Lehrberuf. Die Idee ist, einen Bereich zu wählen, für den man sich interessiert, aber man muss sich jetzt nicht zwingend dafür entscheiden, ihn den Rest des Lebens zu machen.

Sogar, wenn man nach einem Jahr feststellt, dass der Beruf überhaupt nicht interessant ist, na gut, mit 16 eine neue Lehrstelle zu finden ist nicht schlimm.

Parallel zur Lehre macht man die Berufsmatura. Die Berufsmatura ist in Österreich einer „normalen“ Matura gleichgestellt und Lehrlinge müssen nicht extra dafür zahlen.

Die Berufsmatura (Lehre mit Matura)

Die Berufsmatura besteht aus 4 Prüfungen: Deutsch, Englisch, Mathematik und einer Fachbereichsprüfung. Deutsch, Englisch und Mathematik entsprechen den Prüfungen des Gymnasiums. Der Ablauf ist so, dass man parallel zur Lehre einmal pro Woche am Abend einen Kurs besucht, der auf das jeweilige Fach vorbereitet. Nach 2 Semestern kann man dann die Prüfung für dieses Fach ablegen. Kurz nach dem Ablegen der Lehrabschlussprüfung (je nachdem, welche Lehre man gewählt hat), kann man so seine Berufsmatura in der Tasche haben.

Und jetzt? Nun, jetzt hängt es ganz davon ab, was man weiter machen möchte. In jedem Fall hat man jetzt einige Jahre Berufserfahrung, was für jede weitere Ausbildung sehr von Vorteil ist. Man weiß, wie es im Arbeitsleben läuft, und man weiß auch mehr darüber, was man selbst gern tut, aber auch vielleicht was man nicht möchte.

Ist Studieren nicht doch eine gute Sache?

Auf jeden Fall ist man etwa 19 Jahre alt, hat eine abgeschlossene Berufsausbildung, Matura und hat die letzten drei Jahre Geld verdient, wobei die Chancen gut sind, dass man noch zu Hause gelebt hat. Vielleicht wurde also Geld gespart, das jetzt verwendet werden kann, um eine eigene Wohnung einzurichten, ein Auto zu kaufen, eine Firma zu gründen, es gibt viele Möglichkeiten.

Aber wie geht es mit dem Beruf weiter? Gehen wir es anhand eines konkreten Beispiels durch. Sagen wir, der Lehrberuf war Programmieren oder App-Entwicklung. Eine Möglichkeit wäre, ein Kolleg zu besuchen. In zwei Jahren könnte so ein HTL-Abschluss nachgeholt werden, der weiterführende Ausbildung im gewählten Beruf oder einem verwandten gibt und zum Tragen des Titel „Ingenieur“ berechtigt. Dies könnte Vollzeit gemacht werden (mit dem ersparten Geld) oder berufsbegleitend. Dann ist man knapp über 20, HTL-Ingenieur und hat bereits mehrere Jahre Berufserfahrung. Jobchancen ausgezeichnet!

Man könnte aber natürlich auch in diesem oder einem anderen Bereich studieren. Wiederum berufsbegleitend oder vollzeit. Die Studienwahl würde jetzt schon viel differenzierter ausfallen, weil man bereits gearbeitet hat. Oder man studiert in dem Bereich weiter, in dem man schon gearbeitet hat, woraufhin das Studium viel interessanter und wertvoller ist, weil man einschätzen kann, was wichtig ist, was einen mehr interessiert, etc.

Alles geht – jung, Studium und Berufserfahrung

Und schließlich hat man jemanden, der (oder die) wiederum etwa 25 Jahre alt ist, bis zu 10 Jahre Berufserfahrung hinter sich hat, der vermutlich genau weiß, was er möchte und was nicht (oder zumindest um einiges besser, als ohne Berufserfahrung), und der wirklich arbeiten kann. In Vergleich zu einem „normalen“ Studienabsolventen hat man einen großen Vorteil bei der Jobsuche. Oder sehr gute Voraussetzungen, um sich selbständig zu machen! Und nicht zu vergessen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man 10 Jahre früher anfängt, Geld zu verdienen.

Auf diese Weise kombiniert man das Beste aus beiden Ausbildungswelten.

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Foto Susanne Schilk-Blümel

von Susanne Schilk-Bluemel

Schon als Kind habe ich zum ersten Mal Nachhilfe gegeben, war wohl richtungsweisend für mein weiteres Leben. Nachdem ich mir durch familiäres Umfeld, Arbeitserfahrung und viele Aufenthalte in England und den USA sehr gutes Englisch angeeignet hatte, begann ich an Übersetzungen zu arbeiten und machte schließlich in Saint Louis im Jahr 2005 die Ausbildung zur Trainerin und Englisch-als-Fremdsprache-Lehrerin. Seither bin ich als selbständig Lehrerin in der Erwachsenenbildung und Nachhilfe (in Deutsch, Englisch und Mathematik) tätig. Nach einigen Jahren kam auch das Deutsch als Fremdsprache Programm hinzu. Ich unterrichte gern und liebe es, den Erfolg meiner Schüler zu sehen.

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